Artikel aus dem englischen Magazin Practical
Boat Owner April 2003
frei Übersetzt von Anja NissenSegeln auf dem Meer der Ungarn
Was in Ungarn einem Meer am ähnlichsten
kommt, ist der Plattensee. Ca. 70km lang und durchschnittlich 7km
breit, der größte See Mitteleuropas. Die Ungarn nennen ihn: das
ungarische Meer. Es wäre treffender, die Umgebung als "der Welt
größtes Poolrestaurant" zu bezeichnen.
Beim Segeln am Balaton, ist eine Erfrischung
immer zur Hand. Bei grober Arithmetik ist ein Boot, das dem Ufer
des Balatons entlang segelt, durchschnittlich nie mehr ! als
fünf Minuten von gutem Kaffee, gefüllten Pfannkuchen, gebratenen
Fischen usw. entfernt. Diese einfache Tatsache erklärt, wie klug
das Arrangement von Andreas Novotny ist, von dem wir eine
in Ungarn gebaute Balaton 25 für eine Woche gechartert hatten.
Auf den ersten Blick schaute das Angebot
nach sehr wenig aus und wir wunderten uns, wie es funktionieren
würde - das Boot hatte keine Kücheneinrichtung. Als Ausgleich ist
es jedoch ein Vergnügen, die Balaton 25 zu segeln - leicht und
schnell, aber doch ausgesprochen einfach zu segeln. Zum Wohnen
stehen nur 2 Betten im Salon und eine Doppelkabine im Bug, ein
kleines Waschbecken mit Fließwasser und ausreichenden Stauraum zur
Verfügung. Im Wesentlichem ein schwimmendes
"Camping-Schlafzimmer", um unter Segel schnell und mit viel Spaß
von A nach B zu kommen.
Das ist die Perfektion! und die Cleverness von Novotny's Formel:
Wenn immer Sie vom Segeln genug haben, gibt's all das, was Sie
brauchen, an Land - grundlegende Einrichtungen, wunderbares Essen
und Wein zu erstaunlich geringen Preisen, Zigeunermusik.
Das Schiff ist Transportmittel, Spaß und Unterkunft -das
ist alles.
Wenn Sie eine Yacht in Frankreich chartern, über die man im
Charter-Geschäft so oft hört, zahlen Sie nur für 3 Toiletten und
Gott weiß was sonst noch wenn Sie in Wirklichkeit sowieso die
Einrichtungen der Marina, Buffet und Restaurant benutzen.
Gesagt - getan, EUR 560- für 4 Personen für eine Woche ist
erstaunlich billig und das Konzept geht absolut auf.
Eine konventionelle Alternative wäre ausserdem nie so gut
wie ein reines Segelboot.
Der Aspekt des "reinen Segelbootes" ist sehr wichtig. Der
Plattensee ist kein Ort für Anhänger des eisernen Topsegels.
Der See muß wohl der sauberste große See
in Europa sein. Während der Hauptsaison leidet er ein wenig, aber
im Frühling hat er Drinkwasserqualität. Das Schilf am Rande des
Sees beheimatet Frischwasserschwämme, die als Filter dienen. Der Balaton
ist sauber, aber nicht klar. Die Flüsse, die den See unter anderem
speisen, kommen alle aus dem Norden, wo sie durch teils
kalkhaltigen, teils vulkanartigen Boden fließen. Das ergibt die
erbsengrüne Farbe mit seinen vielen Schattierungen.
Abgesehen von einem hohen Umweltbewusstsein (in dieser Woche auf
dem See sah ich keine irgendwelche von Menschen erzeugte
Verschmutzung - kein Öl, keine Bierdose, nicht ein einziger
Plastikbeutel. Eine weitere Sache, die zur Reinheit des Wassers
beiträgt ist ein fast umfassendes Verbot von Motoren für private
Zwecke; Bis 300 Meter außerhalb der Häfen, im Notfall und bei
Sturmwarnung, können Sie Ihre Maschine benutzen, sonst nur die
Segel. Dieses erklärt, warum die B25 einen Außenborder anstatt
eines Innenborders hat. So können Sie bei Leichtwind den Motorschaft
aus dem Wasser kippen, und segeln so schneller in Richtung des
nächsten Kaffees.
Da Andreas Novotny nun die Hardware für
die im Herzen Junggebliebenen liefert (oder vielleicht für die
fast-senilen Bewunderer der "Swallow&Amazons"
wie mich selbst) bleibt die Frage, wie ein Tag auf dem Plattensee
aussieht. Nehmen Sie den langen Segeltag von Tihany nach Kesthely
(ca. 35 Seemeilen, Zeiten nur ungefähr)
07:30 Früh aufstehen, duschen in den
Nassräumen der Marina.
07:50 Der Rest steht auf. Schnelles Bad im See
08:00 Frühstück für vier (gefüllte Pfannkuchen, gegrillte
Würste, guter Kaffee, klebrige Sachen) vom Büffet, zusammen
ungefähr 20- EUR. Sehr gut und freundlich
08:45 Segel setzen. 15-20 Knoten Fahrt. Zuerst mit Grosssegel,
dann mit Gross und Genua. Das Boot schiesst davon.
12:30 Ábrahamhegy. Mittagessen. Lokale Weine, gebratener Fisch
(vom See und ganz frisch), Salat, Pfannkuchen. Ca. gleicher Preis
wie das Frühstück.
13:10 wieder Segel setzen
15:30 Entscheidung gegen Kaffee und Kuchen in Balatongyörök.
Letzten 5 Seemeilen mit 8-10 Knoten
17:00 Gehen längsseits auf MAHART Mole in Kesthely
17:30 Duschen und rasieren im Hotel am Ende vom Pier. Schwedisches
Mitglied der Crew verläßt uns auf sehr leistungsfähigen,
öffentlichen Transportmitteln nach Budapest.
21:30 Hick!
21:35 Zzzzzz!
Kurze, steile Welle, aber das Boot läuft
perfekt. Das Wasser, dass bis ins Cockpit spritzte, war warm (Aquarium-Temperatur),
und ich glaube nicht, dass irgend jemand etwas Wasserfesteres
anhatte als eine leichte Wanderjacke (das ist normal, die
durchschnittliche Wassertemperatur Mitte September beträgt ca. 70F
Der Himmel war zuerst mit einigen Serien Cumulus-Wolken bedeckt,
gefolgt von einer sehr dünnen Bewölkung, die ziemlich großartige
Lichteffekte erzeugte. Die kleine Balaton 25 geht ab wie eine
Rakete, benötigt aber nicht die Talente einer erfolgreichen
Regatta- Mannschaft um sie zu segeln. Reizendes Boot? Ich hätte
gerne eine.
Unterhaltung nach dem Segeln? Reichlich
vorhanden, toll präsentiert. Sogar ohne seinen Ferencsay
Palast ist Kesthely am oberen Ende des Sees eine elegante Stadt
mit ungefähr 10.000 Einwohnern. Europas letzte grosse Bisonherde
lebt in einem Reservat ca. 20 km entfernt (öffentliche
Verkehrsmittel sind exzellent und unglaublich günstig, Mieten von
Fahrrädern möglich). Der Tafelberg von Badacsony ist von Weinreben
bedeckt (aber eigentlich gibt es Weinreben auf fast jedem Hügel
rund um den Plattensee). Im Allgemeinen gibt es an der Südküste
des Sees eher schicke Hotelanlagen, aber lassen Sie sich davon
nicht beirren: die Küste ist noch immer stark bewaldet und
wunderschön, die ungarische Vorstellung von einer schicken
Hotelanlage mit Nachtleben ist mit der unseren kaum zu
vergleichen: wenn Sie in Siofuk derartiges suchen, werden Sie es zwar finden,
aber Sie werden kaum begeistert davon sein.
Tihany, wo Novotny sein Basislager hat, wäre überall ausser in Ungarn eine Katastrophe - ein malerisches Dorf mit schrecklichen
Touristenschund oder aber horrend hohen Preise. In Wirklichkeit
aber ist Tihany voll von schönen Handwerksgeschäften, die
wunderbare (und geschmackvolle) Keramiken, Stoffe etc. verkaufen,
die oft vor den Augen der Kunden, in jedem Fall aber vor Ort
hergestellt werden, und das zu Schnäppchen-Preisen, die die
Brieftasche kaum belasten.
Ausser den Geschäften besitzt Tihany auch ein benediktinisches
Mönchskloster, gegründet von König Andreas I von Ungarn um 1050.
Es trohnt auf der Tihany-Halbinsel und soll die
meist fotografierteste Kirche Ungarns sein. In ihrer derzeitigen
Form beherbergt ihr Inneres warme und einfache Rokkoko-Architektur
- wundervolle Deckengemälde, aber ohne je überladen zu wirken wie
viele Kirchen dieser Art in Deutschland, Österreich oder Italien.
Besuchen Sie den Plattensee, und tun Sie
dies jetzt: die EU-Mitgliedschaft wird unvermeidlich die Preise in
die Höhe treiben. Zur Zeit bekommen Sie viel für Ihr Geld,
besonders, was Segelerlebnisse, Gastronomie und Kultur betrifft.
Bis zum nächsten Sommer, ich seh' Sie dann dort!!
Artikel aus dem Hajó Magazin 2003,
frei Übersetzt von Kiraly Henriett
Die Balaton 25 wurde 1984 von István Szilágyi -
Mitglied der Balatonfüred Schiffswerft - konstruiert. Damals
hatte das Unternehmen Schwierigkeiten, weil die Herstellung der
Balaton 24 zu teuer war. Ein wichtiger Anhaltspunkt bei der
Planung war, so viel wie möglich Elemente aus Kunststoff in das
Innere des Schiffes einzubauen, um die Kosten der Herstellung zu
vermindern. Das Interessante an der Sache ist: "was früher Not,
ist heute ein Lob" deshalb wirkt das Innere des "Balaton
25" auch heute noch so modern.
Der Plan war gut, das zeigen auch die 186
Schiffe, die es heute davon gibt. Den Erfolg dieses Typs machen
die hohe Komfortebene, die ideale Größe für den Balaton, die
leichte Handhabung und der günstigen Preis aus. Es benötigt aber
auch Anderes, um so viele Jahre lang wettkampsfähig auf dem Markt
zu bestehen. Man braucht einen Hersteller, der fähig ist hohen
Standard und erschwingliche Preise zu bieten. Die Firma "Vega Yacht" ist diesem Typ treu geblieben. Dreiundvierzig
Balaton 25 hat sie bis heute produziert, und vielleicht ist es
keine Übertreibung, dass die besten Boote aus dieser Werkstatt
stammen. Die Mitarbeiter der Firma haben jahrelang mit dem
Schiffen an Wettkämpfen teilgenommen, so haben sie den Typ mit den
vielen Erfahrungen immer wieder verbessert und verfeinert.
Das Schiff gehört zu Wanderbootkategorie.
In der Kajüte gibt es Schlafplätze für vier Erwachsene, gesegelt
werden darf mit 6 Personen. Der 800 kg schwere Kiel, sichert auch
unter stürmischen Umständen eine ausgezeichnete Stabilität.
Grundsegelfläche sind 29,6 m², es verfügt über ein großflächiges
Ruderblatt. Die Manöverfähigkeit ist in allen Windverhältnissen
gut und sicher. Seine breite Arbeitsfläche ist nicht nur im Hafen
und beim Wassersport bequem, sondern bietet auch dem Kapitän und
der Mannschaft großen Bewegungsfreiraum. Es gibt anspruchsvolle
Deckelementen (Easy lock, Harken), im Salon gibt es ein
Waschbecken mit Fließwasser, die Badeleiter ist serienmäßig.
Das Boot hat nur 1,2 m Tiefgang.
Wir haben leicht und schnell Segel
gesetzt. Es gab schönen Westwind. Optimales Segelwetter. In dem
breiten Cockpit der 25er hatten wir zu zweit bequem Platz.
Das Schiff segelt sich schön und gleichmäßig, war gut getrimmt
und wendet gut. Es hat sich auf den kurzen steilen Wellen vor
Balatonfüred sehr gut verhalten. Zu zweit war es ein leichtes die
Yacht zu segeln, und auch alleine hat man leicht alles unter
Kontrolle. Ein erfahrener Segler kann leicht und allein alle
Aufgaben lösen.
Die Maße des Schiffes sichern den Platz für alle möglichen
Extraeinrichtungen, fast ohne Begrenzung. Der Motor ist leicht
einzubauen, nur für eine Küche und eine Dusche gibt es keinen
Platz. Aber in den Salon kann man einen kleinen Herd und
Waschbecken einbauen und in der Bugkabine findet man den Platz für
eine chemische Toilette.
Viele halten die 25er für die Nummer Eins. Mit seinem
erschwinglichen Preis, schöner und anspruchsvoller Verarbeitung
und nicht zuletzt mit seinen bequemen Fahreigenschaften ist es für
seine Rolle am Balaton bestens geeignet.
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